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Die Sage vom Greiss auf Surenen

Die Sage vom Greiss auf Surenen
Foto: perretfoto.ch

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Das Lämmchen aus der fremden Schafherde

Vor vielen hundert Jahren hirtete ein Knabe auf der Alp Surenen die Schafe. Die Alp gehörte damals noch dem Kloster Engelberg. Wenn er Hunger hatte, schlachtete er ein Schaf. Die Häute der Schafe tauschte er dann in Ursern gegen Ziger und Käse. Eines Tages begegnete der Knabe auf dem Weg nach Ursern einer fremden Schafherde aus dem Welschland. Die Tiere gefielen ihm ungemein, viel mehr als die seinigen. Der Knabe bittete und flehte inständig um ein junges Lamm. Da er kein Geld hatte, wollten die Hirten ihm das Schaf erst nicht geben. Der Knabe bettelte aber unbeirrt weiter. So entschieden die Hirten, dass er das Lamm haben könne, wenn er aufknie und den Rosenkranz bete. Der Knabe erfüllte diese Bedingung und nahm das Lämmchen mit auf die Alp Surenen.

Die Taufe

Seine Liebe zum jungen Tier wuchs über alle Massen: Es musste mit ihm essen, mit ihm schlafen und immer bei ihm sein. Das war dem Hirtenknaben aber nicht genug. Er dachte, das Lamm solle getauft werden – er sei es ja auch. Darauf erbrach er in der Kirche den Taufstein und taufte das Lämmchen nach christlichem Glauben. Hätte er das doch nur nicht getan! Kaum ist die Taufe vorbei gewesen, kam plötzlich ein wütender Sturm auf und aus dem braven Schäfchen wurde ein furchterregendes Ungeheuer. Es schlug die Alphütte kurz und klein und ging danach auf den Hirtenknaben los, um den Sakramentsfrevel blutig zu rächen. Von diesem Tag an liess das Ungeheuer keine Menschenseele auf Surenen. Die Leute nannten den schrecklichen Unhold «Greiss».

Der helfende Rat eines fremden Männleins

Die Engelberger wollten die Alp nicht mehr und übergaben sie darum den Urnern. Die Angst vor dem Greiss wuchs von Tag zu Tag, doch niemand wusste, wie man das Ungeheuer loswerden könnte. Bis eines Tages ein fremdes Männlein auftauchte und Rat wusste. Die Urner müssten ein silberweisses Stierenkalb sieben Jahre lang, und jedes Jahr an einer anderen Kuh, saugen lassen. Man tat wie geheissen, und bald war der junge, wilde Stier weitherum gefürchtet. Nun musste nach dem Rat des weisen Männleins eine reine Jungfrau den Stier zum Greiss führen. Die Jungfrau aus Attinghausen musste weiss gekleidet sein. Viel Volk begleitete die Jungfrau von der Kirche in Attinghausen bis zur Waldnacht, wo der Stier untergebracht war. Dort musste die Jungfrau den wilden Stier an ihre Haarbänder knüpfen und ihn nach Surenen lenken. Der Stier, so sagte das Männlein, werde die Nähe des Greiss spüren und der Jungfrau dann ein Zeichen geben. Diese habe daraufhin den Stier loszubinden und nach Attinghausen zurückzulaufen. Dabei dürfe sie sich auf keinen Fall umdrehen.

Der Kampf zwischen Stier und Greiss

Alles bis auf den letzten Punkt verlief nach der Voraussage des Männleins. Bald ertönte ein schreckliches Gebrüll von der Alp Surenen und eine dunkle Rauchsäule stieg empor. Kurz darauf herrschte Stille. Von der Jungfrau war weit und breit nichts mehr zu sehen. Das Greiss lag übel zugerichtet und tot am Boden. Der Stier lag beim Alpbach, auch tot. Wahrscheinlich hatte er nach dem Kampf zu schnell aus dem Bach getrunken. Aber vom Greiss war die Alp danach befreit, und zum Andenken daran nahmen die Urner den Stier auf ihr Wappen.

 

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